TeX2img (als Bild exportieren)

TeX2img kompiliert ein LaTeX-Fragment, etwa eine Gleichung, eine TikZ-Grafik oder eine Tabelle, und exportiert es als Bild, das eng auf den Inhalt zugeschnitten ist. Es ist das Standardwerkzeug, wenn schöne Mathematik an Orte soll, die LaTeX nicht erreicht: PowerPoint- oder Keynote-Folien, Word oder Webseiten. Es gibt GUI-Apps für macOS und Windows sowie eine Kommandozeilenversion, mit Transparenz und hoher Auflösung.

Was TeX2img macht

Normales LaTeX erzeugt ein PDF, in dem die Gleichung auf einer ganzen Seite steht, etwa A4 oder Letter. Für eine Folie brauchst du aber eigentlich ein Bild nur der Formel, ohne umgebende Seite. TeX2img schließt diese Lücke: Es nimmt ein kurzes LaTeX-Fragment, kompiliert es, schneidet automatisch auf die Begrenzungsbox des Inhalts zu und schreibt eine einzelne Bilddatei.

Die Eingabe kann nur Mathematik sein oder ein vollständigeres Fragment mit eigener Präambel. Fügst du nur den Dokumentinhalt ohne \documentclass ein, umschließt TeX2img ihn vor dem Kompilieren mit einer Vorlage. Umgekehrt kann es auch eine vorhandene .tex-Datei oder ein fertiges PDF, PS oder EPS als Eingabe nehmen und daraus ein Bild machen.

Ursprünglich wurde das Werkzeug von Yusuke Terada geschrieben; die Ausgaben für macOS und Windows werden heute von Noriyuki Abe (abenori) und anderen entwickelt. Es ist eine lokal laufende Standalone-Anwendung, keine Web-App. Daher braucht es keine Internetverbindung und kann lokal installierte eigene Style-Dateien direkt verwenden.

Ausgabeformate

Als Ausgabe kannst du Vektor oder Raster (Bitmap) wählen. Vektorformate wie PDF, SVG und EPS halten die Konturen der Formel in jeder Größe scharf; auch stark vergrößert auf Folien oder im Druck bleiben die Linien sauber. Rasterformate wie PNG oder JPEG lassen sich überall bequem einfügen, werden beim Vergrößern aber unscharf, wenn die Auflösung nicht hoch genug ist. Als Grundeinstellung ist ein Vektorformat meist die sichere Wahl.

FormatTypGeeignet für
PDFVektorDruck und erneutes Einbinden in LaTeX; Text kann erhalten bleiben
SVGVektorWebseiten; bleibt beim Skalieren scharf
EPSVektorIllustrator und ältere Druck-Workflows
PNGRasterFolien und Web; unterstützt Transparenz
JPEGRasterMischen mit Fotos (für Liniengrafik weniger geeignet)
EMFVektorEinfügen in Office unter Windows (nur Windows-Version)

Außerdem stehen TIFF, BMP und GIF zur Verfügung. Bei PDF und SVG kannst du wählen, ob Text in Umrisse umgewandelt oder als echter Text erhalten bleibt. Umrisse stellen sicher, dass das Erscheinungsbild auch auf Rechnern ohne die Schriften reproduziert wird.

Wie es intern funktioniert

TeX2img ist keine Magie, sondern ein Frontend, das dein lokales TeX und einige externe Werkzeuge nacheinander aufruft. Es arbeitet grob in drei Stufen. Zuerst kompiliert es das Fragment mit der gewählten Engine (pdflatex, platex, uplatex, lualatex usw.) zu PDF oder PS. Bei DVI-basierten Wegen wie platex / uplatex wird anschließend mit dvipdfmx oder dvips nach PDF/PS konvertiert. Zum Schluss verarbeitet es diese Datei, unter anderem mit Ghostscript, schneidet auf die Begrenzungsbox des Inhalts zu und schreibt das gewünschte Format.

Darum benötigt TeX2img eine funktionierende TeX-Installation (TeX Live, MacTeX usw.) und Ghostscript. Da du die Engine selbst wählst, gelangt die gewohnte Satzqualität direkt ins Bild: uplatex oder lualatex für japanische Mathematik und Schriften, pdflatex für überwiegend westlichen Text. Für japanische Besonderheiten siehe die eigene Seite „TeX/LaTeX and Japanese“.

Ränder, Auflösung und Hintergrundtransparenz lassen sich fein einstellen. Du kannst an allen vier Seiten denselben Rand hinzufügen, ein transparentes PNG erzeugen oder die Auflösung erhöhen, damit ein Rasterbild beim Vergrößern standhält. Für Folien wirkt es meist sauber, etwas Rand um die Gleichung zu lassen und als transparentes PNG zu exportieren, damit es sich in die Hintergrundfarbe einfügt.

Ein typischer Ablauf

Der Ablauf ist angenehm direkt: (1) LaTeX für Formel oder Grafik schreiben, (2) Engine und Ausgabeformat wählen, (3) erzeugen, (4) das Bild in Folie oder Dokument einfügen. In der GUI kannst du beim Vorschauen nachjustieren, und die macOS-Version kann das Ergebnis sogar direkt in Illustrator, Word oder PowerPoint einfügen. Unten steht ein Beispiel für Inhalt, den man in ein Bild umwandeln könnte.

latex
\[
  \int_{-\infty}^{\infty} e^{-x^2} \, dx = \sqrt{\pi}
\]

Fügst du dies in TeX2img ein, wählst uplatex als Engine und ein transparentes PNG oder SVG als Format, erhältst du ein einzelnes Bild, das exakt auf die Gleichung zugeschnitten ist. Danach legst du es nur noch auf die Folie.

Manchmal soll derselbe Vorgang nicht über die GUI, sondern über die Kommandozeile laufen, etwa für viele Gleichungen auf einmal oder als Teil eines Builds. TeX2img enthält eine Kommandozeilenversion; unter Windows ist das TeX2imgc.exe, ein Wrapper, der die GUI im CUI-Modus startet. Grundsätzlich gibst du Eingabe- und Ausgabedateien paarweise an, während die GUI-Einstellungen wie Ränder, Auflösung, Transparenz und Engine als Optionen übergeben werden.

terminal
TeX2imgc.exe /transparent /resolution=600 equation.tex equation.png

Unterschied zu standalone

Ein naher Verwandter ist die Dokumentklasse standalone. standalone schneidet die Seite innerhalb eines LaTeX-Builds auf den Inhalt zu; heraus kommt ein zugeschnittenes PDF. Das passt zu LaTeX-internen Abläufen, etwa wenn eine TikZ-Grafik in einer eigenen Datei liegt und ins Hauptdokument eingebunden wird.

TeX2img zielt dagegen darauf, eigenständige Bilddateien für die Welt außerhalb von LaTeX zu erzeugen. Eine einzige Anwendung übernimmt alles vom Kompilieren über das Zuschneiden bis zum Schreiben von PNG, SVG, EMF und weiteren Formaten. Für das Ziel „eine Gleichung auf eine Folie setzen“ ist das der kürzeste Weg. Verwende standalone, wenn alles im LaTeX-Dokument bleiben soll, und TeX2img, wenn das Ergebnis in eine andere Anwendung soll. Zum Zeichnen der Figuren selbst siehe auch die Seiten „TikZ“ und „Bilder einfügen“.