LaTeXs \footnote hat eine Falle, in die jeder einmal tritt: Eine Fußnote, die in einem tabular steht, druckt ihren Text nie. Die Marke bleibt in der Tabelle, die Note selbst verschwindet, und gemeldet wird nichts – weder Fehler noch Warnung. Schlimmer noch: Die verlorene Note verbraucht dennoch eine Nummer, sodass die nächste Fußnote bei 3 statt bei 2 beginnt. Das Unterhaltsame daran: LaTeX tritt in dieselbe Falle. \maketitle setzt die Autorennamen in einem tabular, weshalb die Standardklassen \footnote innerhalb des Titelblocks stillschweigend durch \thanks ersetzen. Diese Seite geht \footnote, das Paar \footnotemark / \footnotetext, die eigene Nummerierung in einer minipage, die Feinabstimmung mit footmisc, Randnotizen mit \marginpar und marginnote sowie Endnoten durch – jeweils nachgemessen.
Fußnoten-Grundlagen: \footnote schreiben und die Marke wählen
Mit \footnote{text} setzt LaTeX an dieser Stelle eine hochgestellte Zahl und den zugehörigen Text an den Seitenfuß. Der Zähler footnote erhöht sie automatisch; eine Nummer vergibt man also nie selbst. Entscheidend ist die Position. Die Marke soll unmittelbar hinter dem erläuterten Wort stehen, \footnote gehört daher direkt hinter dieses Wort, ohne Leerzeichen dazwischen. Ein Leerzeichen oder Zeilenumbruch zwischen Wort und Befehl bleibt im Text erhalten und schiebt die Marke weg. Im Verhältnis zur Interpunktion steht die Marke normalerweise nach dem Satzzeichen.
TeX was born in 1978.\footnote{Written by Donald Knuth.}
Its maths setting is still the reference.\footnote{arXiv accepts LaTeX sources.}
% forced number: does NOT step the footnote counter
See the note above.\footnote[1]{Same note, referenced twice.}Um eine bestimmte Nummer zu erzwingen, schreibt man \footnote[num]{text}. Dieser Aufruf erhöht den Zähler footnote nicht und verwendet die angegebene Zahl – so verweisen zwei Stellen auf dieselbe Note. Das Aussehen der Zahl steuert \thefootnote. Für Symbole statt arabischer Ziffern dient \renewcommand{\thefootnote}{\fnsymbol{footnote}}; \fnsymbol ordnet 1–9 Sternchen, Dolch und Ähnliches zu und passt zu Dokumenten mit wenigen Noten. \alph und \roman funktionieren genauso. Soll die Nummerierung je Kapitel neu beginnen, lautet die moderne Schreibweise \counterwithin*{footnote}{chapter} aus chngcntr statt eines Eingriffs in \@addtoreset.
Nützlich sind auch die Längen, die den Fußnotenblock formen. Gemessen unter TeX Live 2024 in article: \footnotesep, der Mindestabstand zwischen Noten, beträgt 6.65pt, und \skip\footins, der Abstand zwischen Fließtext und Fußnotenblock, 9.0pt plus 4.0pt minus 2.0pt. Die kurze Trennlinie dazwischen ist ein Makro, \footnoterule; ein leeres \renewcommand{\footnoterule}{} entfernt sie.
Die Fußnote in der Tabelle erscheint nicht: tabular, caption und Überschriften
Weil \footnote nur im äußeren Absatzmodus korrekt arbeitet. Innerhalb eines tabular befindet man sich in einer Zelle, also in einem anderen Modus; der Notentext wird deshalb nie an den Fußnotenbehälter der Seite (\footins) übergeben und geht schlicht verloren. Beim Setzen ist das Symptom vollkommen lautlos. Übersetzt man das folgende Dokument unter TeX Live 2024, meldet pdftotext Body text.1, A value2, B value – und am Seitenfuß erscheint nur Note 1. Der Text von Note 2 fehlt spurlos, und das Log schweigt.
\documentclass{article}
\begin{document}
Body text.\footnote{Real footnote at the page bottom.}
\begin{tabular}{ll}
A & value\footnote{This footnote is inside a tabular -- the text is lost.} \\
B & value \\
\end{tabular}
Next.\footnote{This one is numbered 3, not 2.}
\end{document}Leicht zu übersehen ist die Nummernlücke. Die verlorene Note erhöht den Zähler trotzdem, sodass die nach der Tabelle geschriebene Fußnote die Nummer 3 trägt, nicht 2. Wer nur den Fließtext liest, fragt sich, wo Note 2 geblieben ist. Dieselbe Einschränkung gilt für das Argument von \caption und von Gliederungsbefehlen – dort ist das Symptom allerdings weitaus lauter: \caption{Cap\footnote{...}} bricht mit einem Fehler ab und meldet ! Argument of \@caption has an extra }. gefolgt von ! Paragraph ended before \@caption was complete. Das Argument von \caption ist ein bewegliches Argument, das ins Tabellenverzeichnis geschrieben wird; ein fragiles \footnote darf dort nicht ungeschützt stehen.
Marke und Text trennen: \footnotemark, \footnotetext und \thanks
Der Ausweg besteht darin, Marke und Text mit getrennten Befehlen zu setzen. In der Tabelle oder der Caption gibt \footnotemark nur die Marke aus; zurück im Fließtext schreibt man den Inhalt mit \footnotetext{…}. Damit die Nummern zusammenpassen, legt man sie am sichersten ausdrücklich fest, etwa \footnotemark[7] zusammen mit \footnotetext[7]{…}.
\footnotemark— setzt an dieser Stelle nur die Marke, also die Nummer. Ohne Argument erhöht es den Zählerfootnoteum eins;\footnotemark[num]verwendet diese Nummer, ohne den Zähler zu erhöhen.\footnotetext{text}— setzt nur den Fußnotentext am Seitenfuß. Schreiben Sie es nach\footnotemarkan einer Stelle im äußeren Absatzmodus; mit\footnotetext[num]{text}stimmen Sie die Nummer ab.
\begin{tabular}{ll}
Item A & value\footnotemark[1] \\
Item B & value \\
\end{tabular}
\footnotetext[1]{This value is provisional.}Dieses Muster – Marke und Text trennen – steckt in LaTeX selbst. Hier die Definition von \thanks aus latex.ltx: Sie ist genau ein \footnotemark plus ein aufgeschobenes \footnotetext[aktuelle Nummer]. Und \@maketitle in article.cls enthält die eine Zeile \let \footnote \thanks. Die Autorennamen im Titelblock werden in \begin{tabular}[t]{c} gesetzt, ein schlichtes \footnote würde dort also seinen Text verlieren – die Klasse kommt dem zuvor und tauscht \footnote innerhalb des Titels gegen \thanks. Den Ausweg aus genau der Falle, mit der diese Seite beginnt, verwendet LaTeX selbst.
\DeclareRobustCommand\thanks[1]{\footnotemark
\protected@xdef\@thanks{\@thanks
\protect\footnotetext[\the\c@footnote]{#1}}%
}In der Praxis gehören Zugehörigkeiten, Danksagungen und Kontaktangaben zu \title oder \author in ein \thanks{…}. Sollen sie Symbole statt Zahlen tragen, setzt man üblicherweise vor \maketitle ein \renewcommand{\thefootnote}{\fnsymbol{footnote}} und stellt es unmittelbar danach zurück. Die Standardklassen führen am Ende von \maketitle ein \setcounter{footnote}{0} aus, sodass die Fußnoten des Haupttexts wieder bei 1 beginnen.
Fußnoten in einer minipage erscheinen als a, b, c
Weil \footnote in einer minipage auf einen anderen Zähler, mpfootnote, umschaltet, dessen Marken Kleinbuchstaben sind. Gemessen erschien eine Note in einer minipage als a, ohne Bezug zu den 1 und 2 des Haupttexts, und stand direkt unter dieser minipage statt am Seitenfuß. Eine minipage verhält sich also wie eine kleine, in sich geschlossene Seite. Für Ziffern verwendet man \renewcommand{\thempfootnote}{\arabic{mpfootnote}}.
Dieses Verhalten lässt sich unmittelbar nutzen, wenn Tabellenanmerkungen unter der Tabelle stehen sollen. Packt man das tabular in eine minipage, verschwindet \footnote nicht mehr, sondern steht direkt unter der Tabelle. Man muss allerdings hinnehmen, dass sie dann einem eigenen Nummernkreis angehört, getrennt von den Fußnoten der Seite. Für saubere Tabellenanmerkungen liefert das eigens dafür gedachte Paket threeparttable, das Tabelle, Anmerkungen und Caption als drei Teile ordnet, oder die Umgebung talltblr aus tabularray ein ordentlicheres Ergebnis.
footmisc: pro Seite neu nummerieren, Symbole verwenden, Noten als Absatz setzen
Für feinere Kontrolle über das Standardverhalten lädt man \usepackage[options]{footmisc}. Die Fassung in TeX Live 2024 ist v6.0f vom 2023/07/05. Die Optionen lassen sich kombinieren: [perpage,symbol] ergab gemessen ∗ † ‡ auf Seite 1 und dann wieder ∗ † auf Seite 2 – Rücksetzung und Symbolmarken wirken gemeinsam.
| Option | Wirkung |
|---|---|
perpage | Setzt die Nummerierung auf jeder Seite zurück, sodass jede Seite wieder bei 1 beginnt. |
symbol | Beschriftet Noten mit Symbolen (∗ † ‡ …) statt Zahlen. symbol* betrifft nur die Marke im Text. |
bottom | Drückt die Noten an den untersten Seitenrand, auch wenn die Seite kurz ist. |
para | Setzt mehrere Noten als einen fortlaufenden Absatz statt je Note eine Zeile. |
multiple | Erkennt benachbarte Marken und trennt sie sauber, statt sie aneinanderzustoßen. |
hang | Stellt die Marke nach links heraus und hängt die Folgezeilen der Note darunter ein. |
flushmargin | Setzt den Notentext bündig an den linken Rand des Satzspiegels, ohne Einzug. |
norule | Zeichnet keine Linie zwischen Text und Noten. splitrule gibt geteilten Noten eine eigene Linie. |
stable | Sorgt dafür, dass \footnote auch in beweglichen Argumenten wie Gliederungsbefehlen hält. |
marginal | Stellt die Marke außerhalb des Satzspiegels in den Rand hinein. |
% per-page numbering, notes pushed to the bottom, adjacent marks separated
\usepackage[perpage,bottom,multiple]{footmisc}
% width of the gap between the mark and the note body
\setlength{\footnotemargin}{1.8em}footmisc greift auch in den Rand. Der Abstand zwischen Marke und Notentext – der linke Rand der Fußnote selbst – wird über die vom Paket bereitgestellte Länge \footnotemargin eingestellt. Hinzu kommen bottomfloats, abovefloats und belowfloats für die Reihenfolge gegenüber Floats, side für Noten neben dem Satzspiegel und ragged für Flattersatz in den Noten. Die vollständige Namensliste steht in den \DeclareOption-Zeilen von footmisc.sty.
Eine Notiz in den Rand setzen: \marginpar und marginparwidth
Für eine kurze Notiz neben dem Text schreibt man \marginpar{text}. Sie wird klein im Rand gesetzt, auf Höhe der Zeile, in der sie steht. Im zweiseitigen Satz (twoside) geht sie in den äußeren Rand und wechselt zwischen linken und rechten Seiten automatisch die Seite. Für unterschiedliche Formulierungen je Seite schreibt man \marginpar[links]{rechts}: Das eckig geklammerte [links] gilt, wenn die Notiz im linken Rand landet, das geschweifte {rechts}, wenn sie im rechten landet. \reversemarginpar dreht die Seite um, \normalmarginpar stellt die Vorgabe wieder her.
Drei Längen bestimmen die Geometrie. Gemessen unter TeX Live 2024: \marginparwidth beträgt 65pt in article und report, 125pt in book und springt auf 121pt, wenn man article um twoside ergänzt. Der Abstand zwischen Text und Notiz, \marginparsep, liegt bei 11pt, und \marginparpush, der Mindestabstand der Notizen untereinander, bei 5pt. Bei 65pt passen in 10pt-Schrift kaum sechs Zeichen nebeneinander; eine lange Randnotiz in einem unveränderten article stapelt sich also nahezu Wort für Wort. Wer Randnotizen ernsthaft einsetzt, plant \setlength{\marginparwidth}{...} oder eine Neugestaltung der Ränder mit geometry ein.
\marginpar bringt harte Grenzen mit. Intern wird es als Float verarbeitet, es lässt sich also nicht in einer figure oder table, nicht in einer Fußnote und nicht in einem anderen \marginpar verwenden. Steht eines in einer figure, bricht der Lauf mit ! LaTeX Error: Float(s) lost. ab. Auch nimmt es nur einen Absatz auf. Und landen mehrere Notizen auf nahe beieinanderliegenden Zeilen, schieben sie sich gegenseitig; LaTeX verrückt sie und meldet LaTeX Warning: Marginpar on page 1 moved. Diese Warnung ist das Signal, dass eine Notiz nun abseits der gemeinten Zeile gedruckt wird.
marginnote: eine Randnotiz ohne Float – dafür zwei Durchläufe
Um diesen Grenzen auszuweichen, nimmt man das Paket marginnote und sein \marginnote{text}. Es verwendet keinen Float und funktioniert deshalb sogar in der figure, in der \marginpar mit ! LaTeX Error: Float(s) lost. scheitert – am selben Dokument geprüft, brach die \marginpar-Fassung mit dem Fehler ab, während die \marginnote-Fassung anstandslos durchlief und die Notiz im Rand setzte. Wie bei \marginpar erlaubt \marginnote[links]{rechts} seitenabhängige Formulierungen, und \reversemarginpar wird beachtet. Die Fassung in TeX Live 2024 ist 1.4b vom 2018/08/09.
Das hat seinen Preis. marginnote druckt bis zum zweiten Durchlauf überhaupt nichts. Im ersten Lauf enthielt das Log Package marginnote Info: xpos seems to be \@mn@currxpos zusammen mit LaTeX Warning: Label(s) may have changed. Rerun to get cross-references right., und der Rand des PDFs blieb leer. Das Paket entscheidet über die Seitenwahl mithilfe der Querverweismechanik; erst der zweite Lauf setzt etwas in den Rand.
Außerdem nimmt \marginnote ein drittes Argument nach den geschweiften Klammern: einen vertikalen Versatz. Die Form lautet \marginnote[links]{rechts}[Versatz]. Gemessen saß eine Notiz mit [-3\baselineskip] drei Zeilen über ihrem Text, eine mit [3\baselineskip] drei Zeilen darunter – negativ nach oben, positiv nach unten. Man braucht das, denn \marginnote setzt die Notiz schlicht auf Höhe der aktuellen Zeile und betreibt überhaupt keine Kollisionsvermeidung, anders als \marginpar. Überlappen Notizen, verteilt man sie mit diesem Argument von Hand. Eine \marginnote kann außerdem nicht über eine Seite umbrechen; für längere Texte im Rand plant man besser ein anderes Layout, etwa Spalten oder eine auf Marginalien ausgelegte Klasse.
\usepackage{marginnote}
% ...
A note beside the text.\marginnote{This is a margin note.}
% negative offset moves the note up by three lines
Another line.\marginnote{Nudged upwards}[-3\baselineskip]
% marginnote works here; \marginpar would give "Float(s) lost."
\begin{figure}[h]
Some figure.\marginnote{Inside a float.}
\caption{A figure with a margin note}
\end{figure}Endnoten am Ende: endnotes und enotez
Sollen die Anmerkungen am Ende eines Kapitels oder des Buches gesammelt werden statt am Seitenfuß, braucht man Endnoten statt Fußnoten. Das Standardwerkzeug ist das Paket endnotes: \endnote{text} schreiben und \theendnotes dort setzen, wo die gesammelten Noten erscheinen sollen. Gemessen hinterließ ein Dokument mit zwei Endnoten die Marken 1 und 2 im Text und druckte an der Stelle von \theendnotes eine Überschrift „Notes“ mit beiden Anmerkungen darunter. Der Wortlaut der Überschrift steckt in \notesname. Üblich ist das in geisteswissenschaftlichen Büchern und überall dort, wo so viele Anmerkungen die Seite schwärzen würden.
Eine modernere Alternative ist enotez, in expl3 geschrieben, das Gruppierung der Noten, Gestaltung der Überschrift und Listenformat über Schlüssel-Wert-Optionen zugänglich macht. Die Wahl ist einfach: endnotes, um einem bestehenden Dokument ein paar Anmerkungen hinzuzufügen, enotez, wenn Noten kapitelweise gruppiert oder sorgfältig gestaltet werden sollen. In jedem Fall gilt: Anmerkungen nach hinten zu verschieben kostet die Leserschaft Wege zwischen Text und Noten. Mischen ist erlaubt – wirklich nötige Anmerkungen als Fußnoten belassen und nur die reinen Belege nach hinten schicken.