Der LaTeX-Befehl \maketitle zerstört sich selbst, sobald seine Arbeit getan ist. In dem Augenblick, in dem der Titelblock gesetzt ist, werden \maketitle, \title, \author und \date allesamt durch wirkungslose Befehle ersetzt – das ist keine Metapher, sondern steht so in der Definition der Klasse article. Ein zweites \maketitle bleibt daher völlig ohne Reaktion, und ein nach \maketitle geschriebenes \title{Neuer Titel} meldet keinen Fehler, sondern schüttet diese Zeichenkette in den Haupttext. Diese Seite nimmt dieses Einmal-Design als roten Faden und geht der Reihe nach \title, \author, \date, \thanks und \and durch, dazu die Klassen, in denen die Umgebung abstract existiert, und diejenige, in der sie fehlt, sowie die Option titlepage für eine eigene Titelseite.
Zuerst deklarieren: \title, \author, \date
Alle drei speichern lediglich Informationen; an der Schreibstelle wird nichts ausgegeben. Übergibt man \title{...} einen Titel, \author{...} Autorennamen und \date{...} ein Datum, wird jedes intern abgelegt; auf die Seite gelangt erst dann etwas, wenn weiter unten \maketitle aufgerufen wird. Üblicherweise stehen diese Befehle in der Präambel, vor \begin{document}, sie funktionieren aber überall, sofern sie vor \maketitle kommen. Genau dieses zweistufige Deklarieren-und-dann-Setzen erlaubt es, dass der Titel vorn im Dokument erscheint, während dieselbe Angabe an anderer Stelle verfügbar bleibt – für Kolumnentitel, PDF-Lesezeichen und Ähnliches.
Von den dreien ist nur \title zwingend. Fehlt es, bricht der Lauf mit ! LaTeX Error: No \title given. ab. Ein fehlendes \author hält dagegen nichts auf: Es erscheint lediglich die Warnung LaTeX Warning: No \author given., und der Satz läuft weiter – ohne einen Blick ins Log bleibt das unbemerkt. Beim Standardwert von \date ist Vorsicht angebracht. Wird es nicht geschrieben, erscheint automatisch das Kompilierdatum, denn LaTeX setzt sein internes \@date von vornherein auf \today; das Datum verschiebt sich also bei jedem späteren Neuübersetzen. Soll gar kein Datum erscheinen, verwendet man leere Inhalte mit \date{}; soll eine Fassung festgehalten werden, schreibt man ein wörtliches Datum wie \date{30. Mai 2026}. \today ausdrücklich hinzuschreiben lohnt nur bei Entwürfen, bei denen „das jeweils aktuelle Datum“ tatsächlich gewünscht ist.
\documentclass{article}
\title{Measuring heat flux with everyday materials}
\author{Ada Lovelace}
\date{30 May 2026} % omit this line entirely and you get the compile date
\begin{document}
\maketitle
The body starts here.
\end{document}\maketitle feuert einmal: warum der zweite Aufruf wirkungslos ist
Hat \maketitle die übergebenen Angaben gesetzt, räumt es sich selbst samt Material weg. Am Ende der Definition in der Klasse article steht eine Reihe von Zeilen, die \maketitle selbst sowie \title, \author, \date, \and und \thanks durch wirkungslose Befehle ersetzen. Daraus folgen zwei Dinge. Erstens: Ein zweites \maketitle erzeugt weder Fehler noch Warnung noch Ausgabe. Zweitens, und unangenehmer: Schreibt man nach \maketitle ein \title{Neuer Titel}, zieht das entschärfte \title vorbei, ohne ein Argument aufzunehmen, und {Neuer Titel} wird als gewöhnlicher Fließtext gesetzt. Das ist die wahre Identität des Symptoms „Ich habe den Titel geändert, es passiert nichts – und im Text steht plötzlich ein fremder Satzteil“. Alle Deklarationen gehören vor \maketitle.
Üblicherweise steht der Aufruf unmittelbar nach \begin{document}, und das ist mehr als bloße Gewohnheit. In article führt \maketitle vor dem Setzen ein \newpage aus; steht es nach einigen Zeilen Haupttext, bricht dort die Seite um, und der Titel erscheint oben auf der nächsten. Wird es ganz am Anfang aufgerufen, ist noch nichts gesetzt, der Seitenumbruch bleibt unsichtbar und das Verhalten fällt nie auf. Wo etwas landet, entscheidet letztlich die Dokumentklasse: article beginnt standardmäßig keine neue Seite und setzt den Titel an den Kopf der ersten Seite, während report und book standardmäßig eine eigene, unnummerierte Titelseite anlegen. Für Feinheiten der Gestaltung liefert Peter Wilsons Paket titling die Werkzeuge für Schriften, Platzierung und die Behandlung von \thanks.
Mehrere Autoren mit \and, Fußnoten mit \thanks
Innerhalb von \author bedeutet \\ „nächste Zeile, gleicher Autor“ und \and „nächster Autor“. Am sichersten verwechselt man beide nie mehr, wenn man weiß, was \and wirklich ist. In der Definition von LaTeX ist es nichts anderes als \end{tabular} gefolgt von \begin{tabular}[t]{c}, mit einer leicht dehnbaren Lücke dazwischen. Der Autorenblock ist also von Anfang an eine zentrierte einspaltige Tabelle: \\ schaltet eine Zeile dieser Tabelle weiter, während \and die Tabelle schließt und daneben eine neue aufstellt. Genau deshalb hängt die Zugehörigkeit bei \\ unter dem Namen, und genau deshalb stehen Autoren bei \and nebeneinander – sichtbares Ergebnis und Definition stimmen vollkommen überein.
Soll eine Zugehörigkeit, eine Kontaktadresse oder ein Förderhinweis zur Fußnote werden, setzt man \thanks{...} in \title oder \author. Auch hier steckt ein Kniff dahinter. Ein gewöhnliches \footnote funktioniert innerhalb von Tabellensatz nicht zuverlässig; \thanks setzt dagegen nur die Marke an Ort und Stelle, legt den Notentext in einem eigenen Behälter ab und gibt alle gesammelten Noten aus, sobald der Titelblock gesetzt ist. Genau das macht die Verwendung aus der Autorentabelle heraus unbedenklich. Praktischerweise wird \footnote innerhalb von \maketitle als \thanks gelesen, sodass ein versehentliches \footnote dort dasselbe Ergebnis liefert.
Auch das Aussehen der entstehenden Fußnoten folgt in den Standardklassen einer eigenen Logik. Die Marken von \thanks sind keine Ziffern, sondern ∗, †, ‡, § und so weiter, und der Fußnotenzähler wird zurückgesetzt, sobald der Titelblock gesetzt ist. Die erste \footnote im Haupttext beginnt daher selbstbewusst bei „1“. Deshalb geraten ein Dank am Titel und die erste Anmerkung des Textes nie über dieselbe „1“ aneinander. Umgekehrt gelesen: Verlangt eine Einreichungsvorgabe durchgehend Ziffern, kennt man nun die zwei Ebenen, die vor dem Griff zu titling oder Ähnlichem zusammenzubringen sind.
| Befehl | Rolle | Hinweis |
|---|---|---|
\title{...} | Deklariert den Titel (Pflicht) | Fehlt er, folgt ! LaTeX Error: No \title given.; \\ und \thanks funktionieren darin |
\author{...} | Deklariert die Autoren (optional) | Fehlt er, erscheint nur LaTeX Warning: No \author given., und es geht weiter |
\date{...} | Deklariert das Datum (optional) | Weggelassen = Kompilierdatum; \date{} = kein Datum; wörtlich = feste Fassung |
\and | Trennt Autoren innerhalb von \author | Intern wird eine Tabelle geschlossen und daneben eine neue aufgestellt; \\ bricht Zeilen innerhalb eines Autors |
\thanks{...} | Erzeugt eine Fußnote in \title oder \author | Marken sind ∗, †, ‡, §; danach wird der Fußnotenzähler zurückgesetzt |
\maketitle | Setzt die deklarierten Informationen tatsächlich | Nur einmal: Ein zweiter Aufruf bleibt wirkungslos, und \title und Verwandte fließen danach in den Text |
In welchen Klassen es die Umgebung abstract gibt
Die Umgebung abstract gibt es in article und report, nicht aber in book. „Gibt es nicht“ heißt nicht „anders gestaltet“ – sie ist tatsächlich nicht definiert, und \begin{abstract} unter book erzeugt ! LaTeX Error: Environment abstract undefined. Da eine undefinierte Umgebung ihre Gruppe dennoch öffnet, folgt anschließend auch ! LaTeX Error: \begin{document} ended by \end{abstract}. Die Lücke spiegelt die Konvention, dass Bücher keinen Abstract tragen; eine Abschlussarbeit mit book zu setzen und eine Zusammenfassungsseite zu brauchen, ist dagegen völlig alltäglich. Dann lädt man das Paket abstract oder setzt die Seite selbst.
Der Standardort ist unmittelbar nach \maketitle, vor dem Beginn des Haupttexts. Das Aussehen teilt sich dann in drei Fälle. Im einspaltigen article erscheint eine kleine zentrierte Überschrift „Abstract“, der Text beidseitig eingerückt wie ein Zitat. Im Zweispaltensatz ändert sich das Verhalten: Er wird wie ein \section* behandelt und passt in eine einzige Spalte – daran stoßen sehr viele, wenn ein Aufsatz den Abstract über die volle Seitenbreite laufen lassen soll; die Antwort ist dann das optionale Argument von \twocolumn oder das Paket abstract. Und da report standardmäßig eine Titelseite anlegt, wird der Abstract dort als eigene Seite gesetzt. Das Überschriftswort selbst ist \abstractname; wechselt man die Dokumentsprache mit babel oder Ähnlichem, wechselt auch das Wort.
Eine eigene Titelseite: Option titlepage und Umgebung titlepage
Der Name titlepage trägt zwei Hüte: Klassenoption und Umgebung. Schreibt man \documentclass[titlepage]{article}, setzt \maketitle den Titel innerhalb einer titlepage-Umgebung und erzeugt eine eigene, unnummerierte Titelseite. Bei report und book ist das von vornherein Standard, eine Option ist dort also unnötig – und wer stattdessen das Verhalten von article möchte, übergibt notitlepage. Die Option verändert auch die Erscheinung des Abstracts: Ist titlepage aktiv, wird die Definition der Umgebung abstract ausgetauscht, und der Abstract wird zu einer eigenen, vertikal zentrierten Seite. Für Abgaben, die Deckblatt und Zusammenfassung auf getrennten Seiten verlangen, erfüllt dieses eine Wort die Anforderung oft schon vollständig.
Der andere Hut, die Umgebung titlepage, ist ein Behälter, um eine Titelseite ganz von Hand und ohne \maketitle zu bauen. Ihr Inhalt ist gewöhnliches LaTeX; ein Logo oder Linien sind also möglich. Der Preis dafür ist, dass die Verbindung zu dem, was in \title hinterlegt wurde, gekappt ist. Genau daher rührt das Missgeschick, ein Deckblatt einzureichen, dessen Titel nicht mit \title übereinstimmt. Wer eine Titelseite selbst baut, sollte daher von vornherein festlegen, die Angaben nur an einer einzigen Stelle zu führen.
Alles zusammengeführt
Das \title trägt über \thanks einen Förderhinweis; das \author trennt zwei Autoren mit \and, hängt jede Zugehörigkeit mit \\ unter den Namen und versieht die E-Mail eines Autors mittels \thanks mit einer Fußnote. Das \date ist als feste Fassung festgeschrieben, und direkt nach \maketitle folgt eine abstract-Umgebung. Gesetzt ergibt das einen großen Titel, darunter die beiden Autoren nebeneinander und darunter das Datum; Titel und ein Autor tragen die Marken ∗ und †, und unten auf der Seite stehen Förderhinweis und E-Mail. Darunter folgen die Überschrift „Abstract“ und der Zusammenfassungsabsatz, anschließend beginnt der Haupttext mit „1 Introduction“.
\documentclass{article}
\title{Measuring heat flux with everyday materials%
\thanks{Supported by the Example Foundation.}}
\author{
Ada Lovelace\thanks{[email protected]} \\
Analytical Engine Laboratory
\and
Alan Turing \\
National Physical Laboratory
}
\date{30 May 2026}
\begin{document}
\maketitle
\begin{abstract}
This paper describes a procedure for measuring heat flux with
readily available materials, and discusses the treatment of error.
\end{abstract}
\section{Introduction}
The body starts here.
\end{document}Was vor der Abgabe zu prüfen ist
Der Titelbereich ist das Letzte, was nach dem Haupttext angefasst wird – und damit das, was sich kurz vor der Abgabe am leichtesten zerstören lässt. Zuerst ist zu prüfen, ob die Einreichungsregeln oder die Aufgabenstellung die Klasse vorgeben. Ist eine Klasse vorgeschrieben, ist es offensichtlich sicherer, die Angaben an deren Befehle zu übergeben, als die Ausgabe von \maketitle von Hand umzuformen. Vorlagen von Konferenzen und Graduiertenschulen führen für das Deckblatt oft eigene Deklarationen wie \studentid oder \supervisor; sobald man zu einem schlichten \maketitle zurückkehrt, fallen die für die Begutachtung nötigen Angaben weg.
- Titel – Muss ein langer Titel umbrechen, gehört
\\nur an eine Sinngrenze, nie mitten in ein Wort oder eine Formel. - Autoren – Namen und Zugehörigkeiten bleiben in
\author; nur echtes Fußnotenmaterial wandert nach\thanks, und\\ist nicht mit\andzu verwechseln. - Datum – Für eine Abgabe mit fester Fassung ein wörtliches Datum schreiben;
\todaybleibt Entwürfen vorbehalten, deren Datum sich ändern darf. - Abstract – Ziel, Methode, Ergebnis und Schlussfolgerung knapp nennen, ohne Abkürzungen oder Notation hineinzustopfen, die der Haupttext noch nicht eingeführt hat.
- Letzter Blick – Prüfen, dass nach
\maketitlekein\titleoder\authormehr steht; andernfalls landet dessen Inhalt unmittelbar im Haupttext.