Für typografische Anführungszeichen gibt es auf der Tastatur keine Taste. Dass in einem LaTeX-Dokument dennoch „ “ erscheinen, liegt am Ligaturmechanismus der Schrift: Zwei Backticks und zwei Apostrophe werden zu echten Anführungszeichen zusammengesetzt – von genau derselben Maschinerie, die aus f und i ein fi macht. Diese Seite verfolgt von dort aus einen einzigen Faden: wie die Zeichen richtig gesetzt werden, wie \enquote aus csquotes ihre Form je nach Sprache wechselt und die Verschachtelung übernimmt, und wie die Umgebungen quote, quotation und verse ein Zitat als eigenen Block absetzen.
Woher die typografischen Anführungszeichen kommen
Die Antwort steckt in der Schrift selbst. Beim Laden einer Schrift liest TeX eine .tfm-Datei (Font Metric), und darin liegt ein Ligaturprogramm: eine Tabelle, die festhält, welches Zeichen nach welchem durch eine dritte Glyphe zu ersetzen ist. Die Anführungszeichen stehen unmittelbar in dieser Tabelle. Dekompiliert man ecrm1000.tfm, die T1-kodierte Computer-Modern-Antiqua, so lautet der Eintrag für den Backtick (LIG O 140 O 20) – „Backtick gefolgt von Backtick wird zur Glyphe in Oktalposition 20“. Oktal 20 ist \textquotedblleft, das öffnende doppelte Anführungszeichen. Der Eintrag für den Apostroph hat dieselbe Gestalt: (LIG O 47 O 21) verweist auf \textquotedblright, das schließende.
Und nun das Reizvolle daran. In derselben Datei lautet der Eintrag für f: (LIG C i O 14) – „f gefolgt von i wird zur fi-Glyphe“. Mit anderen Worten: Die Anführungszeichen und die fi-Ligatur, die der Bleisatz jahrhundertelang geschnitten hat, sind für TeX buchstäblich dieselbe Anweisung. Knuth nahm einen für Buchstabenpaare entworfenen Mechanismus und verwendete ihn unverändert für Satzzeichen weiter. Dass zwei Bindestriche zum Halbgeviertstrich werden, steht wenige Zeilen tiefer in derselben Tabelle, als (LIG O 55 O 173). Die erste Überraschung, die TeX bereithält – dass Eingetipptes nicht gleich Gesetztes ist –, stammt aus dieser kleinen Tabelle.
% Two backticks open a quotation, two apostrophes close it.
``A quotation set the TeX way.''
% One of each gives the single marks.
`A quotation inside a quotation.'
% Adjacent closing marks collide; a thin space keeps them apart.
``He said `yes.'\thinspace''| Eingabe | Erzeugte Glyphe | Anmerkung |
|---|---|---|
`` | “ | öffnendes doppeltes Zeichen, per Ligatur zusammengesetzt |
'' | ” | schließendes doppeltes Zeichen, zwei Apostrophe |
` | ‘ | öffnendes einfaches Zeichen; ohne Ligatur |
' | ’ | schließendes einfaches Zeichen; zugleich der Apostroph |
" | ” oder " | vermeiden; siehe nächster Abschnitt |
Warum " das falsche Anführungszeichen ergibt (OT1 gegen T1)
Das gerade ASCII-Zeichen " geht auf zwei verschiedene Arten schief, je nachdem welche Fontkodierung gilt. In der Voreinstellung OT1 weist ot1enc.def das Zeichen \textquotedblright der Position 34 zu – genau dort, wo ASCII " führt. "quoted" wird damit zu ”quoted”: zweimal das schließende Zeichen, auch am Anfang. Mit \usepackage[T1]{fontenc} legt t1enc.def auf dieselbe Position 34 das Zeichen \textquotedbl, ein echtes gerades Schreibmaschinenzeichen; dieselbe Eingabe bleibt dann "quoted" und rundet sich nie. Eine Zeile in der Präambel ändert also nur das Aussehen des Fehlers, nicht den Fehler selbst. Beim Apostroph verhält es sich genauso: Wird wirklich ein gerades ' gebraucht – ein Codefragment, ein Bezeichner, der sich nicht runden darf –, ist \textquotesingle das Mittel der Wahl, ein TS1-Zeichen, das seit dem Kernel von 2020 ohne Zusatzpaket zur Verfügung steht und auch in \texttt gerade bleibt.
% Default OT1: slot 34 holds the CLOSING double mark.
% "quoted" -> ”quoted” (two closing marks)
\documentclass{article}
% With T1: slot 34 holds an upright typewriter quote.
% "quoted" -> "quoted" (never curls)
\usepackage[T1]{fontenc}
% Either way, this is what you want instead:
``quoted''Drei Gewohnheiten verhindern den Ärger dauerhaft. Erstens: " gar nicht erst in die Quelle tippen – ein einmaliger Suchen-und-Ersetzen-Durchlauf schafft zuverlässig Ordnung. Zweitens: \usepackage[T1]{fontenc} laden, nicht wegen Position 34, sondern wegen korrekter Silbentrennung und akzentuierter Zeichen. Drittens: Unter LuaLaTeX oder XeLaTeX ist es völlig zulässig, die UTF-8-Zeichen „ “ direkt einzugeben; die Schrift wird über Unicode angesprochen, ein Ligaturmechanismus kommt nicht ins Spiel, und Quelle und Ausgabe sehen gleich aus. Der Haken: Die Form des Zeichens ist damit im Manuskript festgeschrieben – weshalb mehrsprachige Dokumente mit \enquote besser fahren.
\enquote gegen von Hand gesetzte Anführungszeichen
Der Unterschied in einem Satz: Von Hand gesetzt wird eine Glyphe festgeschrieben, mit \enquote dagegen die Tatsache, dass hier zitiert wird. Nach dem Laden des Pakets csquotes entscheidet bei \enquote{…} der gerade gewählte Zitierstil, welche Glyphe tatsächlich auf der Seite landet. Die Verschachtelung gibt es gratis dazu: \enquote zählt die Schachtelungstiefe mit (im internen Zähler \csq@qlevel) und nimmt auf der ersten Ebene die äußeren, darunter die inneren Anführungszeichen. Ob das außen doppelt und innen einfach bedeutet wie im amerikanischen Gebrauch oder umgekehrt wie im britischen, ist damit Sache der Stildefinition.
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[english]{babel}
\usepackage[autostyle=true]{csquotes}
% ...
\enquote{He said \enquote{yes} to me.}
% -> “He said ‘yes’ to me.”
\begin{otherlanguage}{ngerman}
\enquote{Er sagte \enquote{ja} zu mir.}
\end{otherlanguage}
% -> „Er sagte ‚ja‘ zu mir.“
\begin{otherlanguage}{french}
\enquote{Il a dit \enquote{oui}.}
\end{otherlanguage}
% -> « Il a dit “oui”. »Alle drei Zeilen oben zeigen dasselbe \enquote in derselben Schreibweise – und liefern drei verschiedene Anführungszeichen. Verantwortlich ist autostyle=true, die Option, die den Zitierstil an die aktuelle Sprache von babel oder polyglossia koppelt. Ein Sprachwechsel zieht die Zeichen nach; im Manuskript taucht keinerlei sprachabhängige Fallunterscheidung auf. Sollen ausdrücklich die inneren Zeichen erscheinen – etwa wenn ein Zitat bereits verschachtelt beginnt –, dient die Sternform \enquote*{…}. Zum Festlegen in der Präambel benennt \setquotestyle{german} den Stil direkt.
Bedeutung festzuhalten bringt einen zweiten Gewinn: Fehler werden auffindbar. Ein von Hand gesetztes, nie geschlossenes Zeichen erzeugt keinerlei Beschwerde – es fällt erst im Druck auf. Da \enquote die Schachtelungstiefe mitführt, bricht ein unausgeglichenes Zitat den Lauf ab, mit Package csquotes Error: Unbalanced groups or invalid nesting oder Still 1 quote open. Aus dem Korrekturlesen von Anführungszeichen über dreihundert Seiten wird eine einzige Zeile Compilerausgabe. Auch das Kollisionsproblem übernimmt csquotes: Jede Stildefinition trägt eine Unterschneidung, notiert etwa als [0.05em], die automatisch einspringt, wenn ein äußeres und ein inneres Zeichen gleichzeitig öffnen oder schließen – jene Handarbeit, für die früher \thinspace nötig war.
Anführungszeichen nach Sprache: „ “, » «, « »
Anführungszeichen unterscheiden sich von Sprache zu Sprache, und zwar nicht nur in der Form: Auch welches Zeichen öffnet und welches schließt, ist verschieden. Im Deutschen steht „ unten und “ oben, also dasselbe Zeichen, das im Englischen öffnet, schließt hier. Französisch setzt « … », Japanisch 「 」. csquotes bildet das als Zitierstile ab; csquotes.def liefert Definitionen für 29 Sprachen mit. Der Stil german in der Variante quotes besteht aus \quotedblbase und \textquotedblleft, in der Variante guillemets aus » und « – und damit sind die deutschen Guillemets genau andersherum gerichtet als die französischen.
| Stilname | Außen | Innen | Anmerkung |
|---|---|---|---|
american | “ ” | ‘ ’ | die Standardvariante von english |
british | ‘ ’ | “ ” | außen und innen gegenüber American vertauscht |
german | „ “ | ‚ ’ | das schließende Zeichen ist die englische Öffnungsglyphe |
french | « » | “ ” | innen steht ein geschütztes Leerzeichen |
spanish | « » | “ ” | wiederholt » am Anfang jedes Folgeabsatzes |
japanese | 「 」 | 『 』 | Kern 0pt: Zeichen voller Breite kollidieren nicht |
Die Tabelle verbirgt einige lehrreiche Umkehrungen. Die deutsche Guillemets-Variante öffnet mit \guillemotright und schließt mit \guillemotleft: »…« weist nach innen, genau umgekehrt zum französischen « … ». Das Französische wiederum verlangt ein geschütztes Leerzeichen innerhalb der Guillemets, wofür csquotes den eigenen Haken \mkfrenchopenquote bereithält. Und der spanische Stil definiert eine Mittelmarke – die romanische Konvention, in einem mehrabsätzigen Zitat am Kopf jedes Folgeabsatzes erneut ein » zu setzen. \DeclareQuoteStyle hält dafür ein eigenes Argument bereit.
Zwei praktische Hinweise. Erstens deckt csquotes.def 29 Sprachen ab und bringt weder einen koreanischen noch einen chinesischen Stil mit. Wer einen braucht, deklariert ihn mit \DeclareQuoteStyle selbst oder greift zu einem vorhandenen Stil mit passenden Glyphen. Zweitens sind die Kurzbefehle von babel zu beachten: Die deutschen babel-Module machen " aktiv, sodass ein folgender Backtick \glqq und ein folgender Apostroph \grqq ergibt. Ein klassischer Kniff – der das Manuskript allerdings an das Deutsche bindet. Für ein einsprachiges Dokument genügt das; mehrsprachig fährt man mit \enquote deutlich ruhiger.
Der Unterschied zwischen quote und quotation
Alles hängt an einem Punkt: wie ein Absatzwechsel sichtbar gemacht wird. Läuft ein Zitat über drei, vier Zeilen (rund vierzig Wörter) hinaus, wird es üblicherweise nicht mehr in Anführungszeichen in den Satz eingebettet, sondern beidseitig eingerückt abgesetzt. Ab da gibt es zwei Wege. Die Definitionen in classes.dtx zeigen: Beide Umgebungen bauen auf list auf, nur die Parameter unterscheiden sich. quote setzt allein \rightmargin\leftmargin, ohne Erstzeileneinzug. quotation ergänzt \listparindent 1.5em, \itemindent \listparindent und \parsep 0pt plus 1pt – rückt also jeden Absatz um 1,5 em ein und drückt den Abstand zwischen den Absätzen fast auf null, ganz wie im gewöhnlichen Fließtext.
\begin{quote}
One paragraph, indented from both margins,
with no first-line indent at all.
\end{quote}
\begin{quotation}
First paragraph of a longer quotation. Its first line is indented.
Second paragraph. The indent, not blank space, marks the break,
which is why quotation is the right choice past one paragraph.
\end{quotation}| Umgebung | Erstzeileneinzug | Absatzabstand | Geeignet für |
|---|---|---|---|
quote | keiner | gewöhnlicher Absatzabstand | einabsätzige Zitate, Motti, kurze parallele Zeilen |
quotation | 1,5 em | nahezu keiner (0pt plus 1pt) | lange Zitate über mehrere Absätze, Auszüge mit Dialog |
verse | −1,5 em (hängend) | gewöhnlicher Absatzabstand | Gedichte, Liedtexte, Texte mit bedeutungstragenden Zeilenumbrüchen |
Ein Anfängerfehler, der eine Warnung verdient: Ein abgesetztes Zitat erhält keine Anführungszeichen. Die Einrückung ist selbst das Signal, dass hier zitiert wird; zusätzliche „ “ sagen dasselbe ein zweites Mal. Dass quote und quotation überhaupt keine Zeichen setzen, spiegelt genau diese Konvention. Andere Traditionen weichen ab – im japanischen Satz bleiben 「 」 mitunter auch beim abgesetzten Zitat stehen, und die Verlagsusancen gehen auseinander. Welche Linie auch gewählt wird: Einheitlichkeit über das ganze Dokument wiegt schwerer als die Wahl selbst.
Die Umgebung verse für Gedichte und Liedtexte
Für Text, in dem Zeilenumbrüche Bedeutung tragen, dient verse. Das Zeilenende wird mit \\ selbst gesetzt, eine Leerzeile trennt die Strophen. Die Definition in classes.dtx setzt \itemindent auf minus 1,5 em und schlägt zugleich 1,5 em auf \leftmargin – dieses Paar erzeugt den hängenden Einzug. Läuft ein Vers über die Satzbreite hinaus und bricht um, wird allein der Überlauf um 1,5 em eingerückt; so bleibt auf einen Blick unterscheidbar, was eine neue Zeile ist und was bloß der Rest der vorigen. Zwei Parameter genügen, damit die Zeilenstruktur des Gedichts die Spaltenbreite überlebt.
\begin{verse}
Roses are red, \\
Violets are blue, \\
This stanza ends here.
A new stanza starts after the blank line, and a line long enough to
run over gets a hanging indent so it still reads as a single verse.
\end{verse}\blockquote – die Länge entscheidet über Inline oder Block
csquotes schafft die Wahl zwischen quote und quotation schlicht ab. \blockquote{…} misst den Inhalt tatsächlich aus und setzt ihn oberhalb eines Schwellenwerts als abgesetzten Block, darunter als Inline-Zitat mit Anführungszeichen. Voreingestellt sind thresholdtype=lines mit 3 Zeilen und quote als Umgebung für die Blockform. \SetBlockThreshold{5} und \SetBlockEnvironment{quotation} ändern beides; wer nach Wörtern zählen will, gibt thresholdtype=words mit threshold=50 an. Zusätzlich ist parthreshold voreingestellt aktiv, sodass jeder ausdrückliche Absatz- oder Zeilenumbruch im Zitat unabhängig von der Länge die Blockform erzwingt – genau die Erwartung, dass ein mehrabsätziges Zitat immer abgesetzt gehört.
\usepackage[autostyle=true]{csquotes}
\SetBlockThreshold{3} % default: 3 lines
\SetBlockEnvironment{quote} % default: the quote environment
% ...
% Short -> stays inline, with quotation marks around it:
\blockquote{Brevity is the soul of wit.}
% Longer than the threshold -> set as an indented block, no marks:
\blockquote{A passage that runs past three printed lines of text is
set off on its own instead, and csquotes reaches that decision by
measuring the material rather than by asking the author to choose
between the quote and the quotation environment by hand.}
% Block quotation that also prints a citation (page 67 of doe2020):
\blockcquote[][67]{doe2020}{The argument develops over several
sentences and is long enough to be set as a block.}Soll die Quelle mitgedruckt werden, dienen \blockcquote und das Inline-Gegenstück \textcquote. Die Form lautet \blockcquote[⟨prenote⟩][⟨postnote⟩]{⟨key⟩}{⟨text⟩}, wobei die Postnote meist eine Seitenzahl trägt. Welcher Zitierbefehl tatsächlich aufgerufen wird, legt \SetCiteCommand fest, sodass dieselbe Quelle mit biblatex wie mit natbib funktioniert. Wer eine Inline-Zitation will und die Anführungszeichen unabhängig von der Länge braucht, greift zu \textquote{…} – anders als \blockquote wechselt es nie in die Blockform. Für fremdsprachige Zitate stehen \foreignblockquote{⟨lang⟩}{…}, das Zeichen und Silbentrennung der Sprache angleicht, und \hyphenblockquote{⟨lang⟩}{…}, das nur die Silbentrennung umstellt.
Ein Wort zur Herkunft von csquotes. Geschrieben hat es Philipp Lehman, von dem auch biblatex stammt; der Copyright-Vermerk hält seine Betreuung von 2003 bis 2011 fest, seit 2015 führt Joseph Wright das Paket weiter (TeX Live 2024 enthält v5.2n). Dass Zitat und Literaturverweis von derselben Hand neu entworfen wurden, erklärt zwanglos, warum \blockcquote so glatt mit biblatex ineinandergreift.
Was wann zu verwenden ist
- Kurzes Inline-Zitat →
\enquote{…}. Die Sprache wählt die Glyphen; Verschachtelung und Balanceprüfung gibt es dazu. - Abgesetztes Zitat von einem Absatz →
quote. Ohne Paket, ohne Anführungszeichen. - Langes Zitat über mehrere Absätze →
quotation(Absätze durch Erstzeileneinzug getrennt). - Gedicht oder Liedtext →
verse(\\beendet eine Zeile, eine Leerzeile eine Strophe, Überläufe hängen). - Die Länge entscheiden lassen →
\blockquote(standardmäßig 3 Zeilen;parthresholderzwingt den Block, sobald Absätze vorkommen). - Zitat samt Quellenangabe →
\blockcquote/\textcquote(über\SetCiteCommandan biblatex oder natbib angebunden). - Mehrsprachige Dokumente →
\usepackage[autostyle=true]{csquotes}zusammen mit babel oder polyglossia.
Zum Schluss noch dies: Alle genannten Umgebungen sind intern als list aufgebaut, fügen also wie itemize vertikalen Raum um sich herum ein und lassen sich verschachteln. Zur Feinabstimmung der Zeilenumbrüche innerhalb eines Zitats hilft „Zeilen- und Absatzumbrüche“, für Einzug und Zentrierung allgemein „Textausrichtung“, und für Gedankenstriche und Auslassungspunkte rund um Zitate „Anführungszeichen und Bindestriche“.