Der Geviertstrich — heißt im Englischen em dash, weil er genau ein Geviert breit ist: so breit wie die Schriftgröße selbst. Lässt man LaTeX in einem 10-pt-Dokument nachmessen, meldet es 9,99756 pt – keinen skalierten Punkt Unterschied zu \quad. Bindestrich -, Halbgeviertstrich --, Geviertstrich --- und das mathematische Minus $-$ sind vier verschiedene Zeichen, die sich nur ähnlich sehen; sie unterscheiden sich in der Breite und sogar in der Schrift, aus der sie stammen. Diese Seite misst alle vier nebeneinander aus und klärt, wann -- zu tippen ist, wann --- und wann der Mathematikmodus nötig wird. (Die Anführungszeichen selbst behandelt die Seite zu Zitaten.)
-, --, --- und $-$ sind vier verschiedene Zeichen – die gemessenen Breiten
Alle vier sind eigene Glyphen und messen 3,33252 pt, 4,99878 pt, 7,7778 pt und 9,99756 pt. Die Zahlen stammen aus einem 10-pt-article mit T1-Kodierung, jeweils gemessen mit \sbox0{-}\typeout{\the\wd0}. Überraschend ist die Reihenfolge. Bindestrich kürzer als Halbgeviert, Halbgeviert kürzer als Geviert – so weit erwartbar; doch das mathematische Minus liegt zwischen Halbgeviert- und Geviertstrich. Ein Minus ist eben kein kurzer Strich, sondern ein recht langes Zeichen, das in der Formel mit = und + ins Gleichgewicht kommen soll.
| Eingabe | Name | Breite (10 pt, T1) | Zeichen im PDF |
|---|---|---|---|
- | Bindestrich | 3,33252 pt (1/3 Geviert) | U+002D |
-- | Halbgeviertstrich | 4,99878 pt (1/2 Geviert) | U+2013 |
$-$ | Minuszeichen (Mathematik) | 7,7778 pt | U+2212 |
--- | Geviertstrich | 9,99756 pt (1 Geviert = \quad) | U+2014 |
Die Namen „en“ und „em“ werden gern mit den Breiten der Buchstaben N und M erklärt, doch das ist nicht die heutige Definition. Misst man M in derselben 10-pt-Schrift, ergibt sich 9,16443 pt, N liefert 7,49817 pt. Der Geviertstrich (9,99756 pt) ist breiter als ein M, der Halbgeviertstrich (4,99878 pt) deutlich schmaler als ein N. Ein Geviert ist gar keine Buchstabenbreite, sondern die Breite des Schriftkegels, also die Schriftgröße selbst; ein Halbgeviert ist die Hälfte davon. Aus dem Bleisatz überlebt haben nur die Namen. Das mathematische Minus wiederum steht überhaupt nicht in der Textschrift. Wie fontmath.ltx mit \DeclareMathSymbol{-}{\mathbin}{symbols}{"00} festlegt, stammt das Minus aus Position 0 der Mathematik-Symbolschrift – in Computer Modern also cmsy. Das „Minus“, das man im Fließtext als -3 tippt, ist demnach schon von der Glyphe her etwas anderes.
% measure them yourself: put this in the preamble-less body
\sbox0{-}\typeout{hyphen = \the\wd0}
\sbox0{--}\typeout{en dash = \the\wd0}
\sbox0{$-$}\typeout{minus = \the\wd0}
\sbox0{---}\typeout{em dash = \the\wd0}
\sbox0{\quad}\typeout{one em = \the\wd0}Welchen nehmen? -- für Bereiche, --- für Einschübe, - für Zusammensetzungen
Die Regel lautet: Halbgeviertstrich -- für Bereiche und Paarungen, Geviertstrich --- für einen Einschub, der den Satz unterbricht, einfacher Bindestrich - zum Verbinden von Wörtern. pages 5--10, 1939--1945 und the Einstein--Podolsky--Rosen paradox bedeuten alle „von A bis B“ oder „A und B als Paar“ und verlangen daher den Halbgeviertstrich. Zusammensetzungen wie well-known oder state-of-the-art behalten dagegen den Bindestrich; sie dürfen nicht zu -- „korrigiert“ werden. Ein pauschales Ersetzen von - durch -- zerstört jede Zusammensetzung im Manuskript – das Muster also stets einschränken, etwa auf Ziffer-Ziffer.
Wie ein Gedankenstrich umspatiert wird, ist von Sprache zu Sprache genau umgekehrt. Amerikanisches Englisch (Chicago-Stil) setzt ihn ohne jeden Zwischenraum: a break---an aside---fits here. Viele britische Verlage sowie Deutsch (Gedankenstrich) und Französisch (tiret) machen es andersherum und verwenden den Halbgeviertstrich mit Spatien: ein Einschub -- so wie hier --. „Enges ---“ oder „spatiiertes --“ ist also keine Geschmacksfrage, sondern Satzbrauch der jeweiligen Sprache. Für ein Dokument eine Variante wählen und durchhalten; ein Manuskript mit beidem wirkt wie eine halbfertige Übersetzung. Das mathematische Minus ist die Ausnahme, die gar keine Sprachfrage ist – es lautet immer $-$, im Mathematikmodus.
See pages 5--10 and the 1939--1945 volumes.
A break---an aside---fits here in US English.
Ein Einschub -- so wie hier -- steht mit Spatien.
The value is $-3$, and $a - b$ uses the same minus.\textendash und \textemdash – wann die Befehlsform nötig ist
Die Ausgabe ist identisch. \textendash misst 4,99878 pt, \textemdash 9,99756 pt – keinen skalierten Punkt entfernt von dem, was -- und --- liefern. Wozu dann die Befehle? Weil -- und --- als Schriftligaturen umgesetzt sind. In T1 stehen die Striche als echte Zeichen auf den Positionen 21 und 22 (t1enc.def); die Befehle holen genau diese Zeichen direkt, an der Ligaturmechanik vorbei. Wo Ligaturen abgeschaltet sind oder wo ein Strich als Argument an ein Makro übergeben wird, ist die Befehlsform die verlässliche.
Wo die Ligaturmechanik zubeißt, ist \texttt. Die T1-Schreibmaschinenschrift (in TeX Live 2024 standardmäßig sftt1000 aus cm-super) besitzt eine ---Ligatur, weshalb \texttt{5--10} stillschweigend als 5–10 mit Halbgeviertstrich herauskommt. Schlimmer noch: \texttt{a---b} ergibt a–-b, also Halbgeviertstrich plus Bindestrich, denn eine Geviertstrich-Ligatur gibt es in der Schreibmaschinenschrift nicht. Unter OT1 kennt cmtt10 diese Ligaturen nicht und die Eingabe überlebt; Code, dessen Ausgabe sich beim Wechsel der Kodierung ändert, ist jedoch gefährlich. Dateinamen, Kommandozeilen und Optionsnamen mit \verb setzen, nicht mit \texttt, oder die Ligatur mit einer leeren Gruppe brechen: \texttt{5-{}-10}. Die Umgebung verbatim und \verb geben 5--10 auch unter T1 wörtlich aus.
% T1: this silently becomes an en dash
\texttt{ls --color} % prints: ls –color
% either break the ligature ...
\texttt{ls -{}-color}
% ... or use verbatim, which never applies ligatures
\verb|ls --color|Zeilen brechen nach einem Strich – \exhyphenpenalty und wie man es verhindert
TeX hält es für zulässig, direkt nach einem ausdrücklichen Binde- oder Gedankenstrich umzubrechen. Die dafür berechnete Strafe ist \exhyphenpenalty mit dem Standardwert 50 (nachzusehen mit \the\exhyphenpenalty). Da auch \hyphenpenalty, die Strafe für den Umbruch innerhalb eines getrennten Wortes, 50 beträgt, treten Umbrüche mitten in 5--10 oder well-known regelmäßig auf. Ein Bereich, dessen 10 an den Anfang der nächsten Zeile gerutscht ist, zwingt die Lesenden zu einer kurzen Denkpause. Am einfachsten hilft eine Box: \mbox{5--10}. Ist amsmath geladen, verbietet \nobreakdash- den Umbruch nach genau diesem einen Strich.
\usepackage{amsmath} % provides \nobreakdash
% ...
See pages \mbox{5--10} for the proof.
The X\nobreakdash-ray results are attached.\slash und \- – TeX sagen, wo ein Umbruch erlaubt ist
\slash setzt dieselbe Glyphe wie / und erlaubt zusätzlich unmittelbar danach einen Zeilenumbruch. Die Definition in latex.ltx besteht aus einer Zeile – \def\slash{/\penalty\exhyphenpenalty} –, also ein Schrägstrich mit derselben Strafe wie ein Strich. Gemessen sind a\slash b und a/b beide 15,55176 pt breit: An der Breite ändert sich nichts. Läuft eine lange Paarung wie input\slash output über das Zeilenende hinaus, findet TeX bei einem rohen / keine Umbruchstelle und meldet Overfull \hbox. \slash legt genau dort eine Falz an.
Das zweite Werkzeug ist der bedingte Trennstrich \-: eine Marke mit der Bedeutung „wenn hier umgebrochen wird, setze einen Bindestrich“, die ohne Umbruch nichts erzeugt. Ein einziger davon in einem Eigennamen oder einer Zusammensetzung, die TeX nicht trennen kann, beseitigt oft mit einem Schlag ein Overfull \hbox. Eine Nebenwirkung gibt es. Gemessen ist man\-uscript 48,96027 pt breit gegenüber 48,68256 pt für schlichtes manuscript – 0,27771 pt mehr, weil die Unterschneidung an dieser Stelle aufgehoben wird. Also nicht \- über das ganze Wort streuen, sondern eines in genau dem Wort setzen, das es braucht. Zur Registrierung von Trennmustern mit \hyphenation und zur Umbruchsteuerung allgemein siehe die Seite zur Feinabstimmung der Zeilenumbrüche.
The input\slash output layer is documented separately.
This manu\-script uses a discretionary hyphen once.Die vier im PDF unterscheiden – mit pdftotext prüfen
Statt Formen mit dem Auge zu vergleichen, ist es verlässlicher, den Text aus dem PDF zu ziehen und die Codepunkte zu prüfen. pdftotext file.pdf - schreibt den Fließtext auf die Standardausgabe, wo die vier Striche als vier getrennte Unicode-Zeichen erscheinen: - (U+002D), – (U+2013), — (U+2014) und − (U+2212). Schickt man eine Zeile mit - -- --- $-$ durch pdftotext, kommt genau - – — − zurück. Ein grep über diese Ausgabe findet dann maschinell jeden Bereich, der noch mit einem einfachen Bindestrich gesetzt ist, und jedes versprengte Minuszeichen im Fließtext. Das geht schneller als das Lesen der Quelle und lässt sich einer Korrektur übergeben.
# ranges still set with a plain hyphen
pdftotext paper.pdf - | grep -nE "[0-9]-[0-9]"
# a minus sign that leaked into running text
pdftotext paper.pdf - | grep -n "−"- Bereiche durchgehen. In der Quelle nach
Ziffer-Ziffersuchen (Jahre, Seiten, Abbildungsnummern) und echte Bereiche auf--umstellen. Zusammensetzungen wiewell-knownunberührt lassen. - Minuszeichen durchgehen. Im Fließtext werden
-3und-0.5zu$-3$und$-0.5$, sofern es Zahlen sind. Im PDF prüfen, dass keines als U+002D überlebt. - In
\texttthineinsehen. Unter T1 wird\texttt{--}zum Halbgeviertstrich. Kommandozeilen und Dateinamen durch\verbersetzen. - Spatiierung festlegen. Enges
---oder spatiiertes--: passend zur Dokumentsprache eines wählen und keine Mischung stehen lassen.
Das Schwesterthema, die Anführungszeichen – die Konvention mit zwei Backticks für geschweifte „ “, warum die Eingabe von " schiefgeht, \enquote aus csquotes sowie die sprachspezifischen „ “ und « » –, behandelt vollständig die Seite zu Zitaten. Beim Aufräumen eingefügter Texte schaut man ohnehin fast immer auf Anführungszeichen und Striche zugleich; halten Sie die beiden Seiten also nebeneinander.