Texifier, die bekannteste App, die auf einem iPad LaTeX setzen kann, wird im App Store mit 61 MB geführt. Das TeX Live 2024, das neben mir auf der Platte entpackt liegt, umfasst 8,7 GB. Dieser Faktor hundertvierzig sagt fast alles darüber, was es heißt, TeX auf einem Telefon oder Tablet laufen zu lassen: Das „echte TeX“, das auf ein Gerät passt, ist zwangsläufig ein beschnittenes TeX. Und es gibt eine zweite Tatsache, die beim Nachprüfen überrascht – weder Overleaf noch Cloud LaTeX bieten überhaupt eine iOS-App an. Beide benutzt man im Browser. Diese Seite legt dar, was auf ChromeOS, Android und iOS / iPadOS heute tatsächlich möglich ist, mit Preisen und Aktualisierungsdaten.
Für die meisten lautet die ehrliche Antwort: der Browser
Der Grund: Eine Engine auf dem Gerät bringt weniger, als man erwartet. Satz ist CPU- und plattenhungrige Arbeit; auf Telefon oder Tablet ist sie langsam und raumgreifend. Alles mit einem Browser erreicht dagegen einen Web-Editor, hinter dem ein vollständiges TeX Live auf einem Server steht. Overleaf wie Cloud LaTeX führen vom Schreiben über das Kompilieren bis zur PDF-Ansicht, ohne den Browser zu verlassen. Hier wirkt die Tatsache aus der Einleitung: Im App Store findet sich weder eine Overleaf- noch eine Cloud-LaTeX-App (geprüft im August 2026). Der Gedanke „die App installieren“ trifft gar nicht zu. Safari oder Chrome öffnen – und man ist im Editor.
Gleichwohl gibt es echte Gründe, den Satz auf dem Gerät haben zu wollen: ein Flug, eine U-Bahn, ein Feldstandort ohne Empfang – oder schlicht der Wunsch, nicht in der Kompiliergrenze eines Gratistarifs zu leben. Die folgenden drei Abschnitte sind eine realistische Karte für alle mit diesem Beweggrund. Das Fazit vorweg: Das Chromebook liegt deutlich vorn, Android funktioniert mit einigem Aufwand, und iOS / iPadOS hängt ganz davon ab, welche App man kauft – und auf allen dreien ist im Zweifel der Rückweg in den Browser die richtige Antwort.
ChromeOS: Die Linux-Entwicklungsumgebung nimmt ein ganz normales TeX Live auf
Von den dreien lässt allein das Chromebook fast genau das Linux-Verfahren zu. Denn Google liefert eine offizielle Linux-Entwicklungsumgebung (entwickelt unter dem Namen Crostini), die im Chromebook eine Debian-Umgebung hochfährt. Einschalten unter Einstellungen → Erweitert → Entwickler → Linux-Entwicklungsumgebung → aktivieren. Der erste Start verbringt einige Minuten mit Holen und Bauen des Containers; danach steht die „Terminal“-App bereit. Darunter läuft ein Debian-Container namens penguin in einer VM namens termina, und von da an gelten dieselben zwei Wege wie unter Linux: über Debians apt oder über das offizielle install-tl der TUG.
sudo apt update && sudo apt upgrade
# Route 1: Debian packages. Convenient, but frozen at Debian's snapshot.
sudo apt install texlive-full # several GB; texlive-latex-recommended is smaller
# Route 2: TUG's own net installer. Newest release, and you get tlmgr.
sudo apt install perl wget
wget https://mirror.ctan.org/systems/texlive/tlnet/install-tl-unx.tar.gz
tar xzf install-tl-unx.tar.gz
cd install-tl-*
sudo perl ./install-tl --no-interactionDer Unterschied der beiden Wege lässt sich am besten als Zahl fassen. Debian 13 (trixie) liefert texlive-full in der Version 2024.20250309-1 – das ist TeX Live 2024. Die aktuelle Ausgabe der TUG ist TeX Live 2026, erschienen am 1. März 2026. Die Bequemlichkeit von apt kostet also zwei Jahre Rückstand. Wer paketweise mit tlmgr aktualisieren will, hat nur den offiziellen Installer. Und eine Falle: Crostini ist eine Sandbox, deshalb ist alles außerhalb des Ordners „Linux-Dateien“ – Google Drive, Downloads – standardmäßig unsichtbar. Über die Dateien-App freigeben oder in den Container kopieren.
Noch eines lohnt heute die Aufmerksamkeit: Baguette. Nach Googles eigener Entwicklerankündigung ist dies die Architektur der nächsten Generation für Linux auf ChromeOS: Sie verzichtet auf Container und betreibt die Linux-Umgebung unmittelbar als virtualisierten Gast. Sie wird ab M147 zur Voreinstellung und lässt sich über das Flag #containerless-crostini in chrome://flags steuern. Aufhorchen lässt TeX-Nutzende allerdings die Liste der Abkündigungen in derselben Ankündigung – Debian-Upgrades über die Oberfläche, grafische Installation von .deb-Dateien, Mehrfachcontainer und, ausdrücklich genannt, IME-Unterstützung und Grafikbeschleunigung werden nicht mehr aktiv gepflegt. Wer beim Schreiben Japanisch oder Chinesisch eingibt, sollte die Eingabemethode nach dem Umstieg prüfen.
Android: In Termux läuft ein echtes TeX Live – ein Paket texlive gibt es aber nicht mehr
Unter Android läuft der Linux-Build von TeX Live nahezu unverändert in der Terminal-App Termux. Das pkg install texlive, das ältere Artikel empfehlen, funktioniert allerdings nicht mehr. Das heutige Termux führt nur zwei einschlägige Pakete: texlive-bin mit den ausführbaren Dateien selbst (Version 1:2026.0, betreut von Henrik Grimler) und texlive-installer, eine Hülle um den offiziellen Installer von TeX Live (Version 20260301, also das install-tl von TeX Live 2026). Das alte Paket texlive wurde durch texlive-installer abgelöst; dessen Paketdefinition nennt den alten Namen ausdrücklich unter REPLACES und BREAKS.
Zuvor ein Wort zur Bezugsquelle. Termux von F-Droid oder GitHub installieren; der Google-Play-Build ist etwas anderes. Das Ursprungsprojekt stellte die Verteilung über den Play Store im November 2020 ein; der derzeit dort liegende Build ist eine eigene Linie, betreut von einer Organisation namens termux-play-store. Die Signaturschlüssel unterscheiden sich, eine Installation über die andere ist also nicht möglich, und auch der Paketbestand deckt sich nicht mit dem Original. Ein großer Teil der Verwirrung zwischen alten Anleitungen und dem, was auf dem Gerät liegt, beginnt hier. Es folgt das Verfahren der Originalversion.
pkg update && pkg upgrade
termux-setup-storage # grant access to shared storage
# The engines plus a wrapper around TeX Live's own installer.
pkg install texlive-installer
# Runs install-tl with -custom-bin and a Termux profile; keep the
# default TEXDIR or the binaries will not be found afterwards.
termux-install-tl
# Re-run this after every "tlmgr update --all": it repairs the
# scripts that assume a filesystem layout Android does not have.
termux-patch-texlivetermux-install-tl ruft das offizielle install-tl mit -custom-bin und einem Termux-Profil auf, führt anschließend termux-patch-texlive aus und erledigt danach fmtutil-sys --byfmt pdflatex, updmap-sys und texlinks. Dieses termux-patch-texlive muss nach jedem tlmgr update --all erneut laufen – der Installer sagt das selbst auf dem Bildschirm. Die Engines sind das echte pdfTeX, XeTeX und LuaTeX, und das erzeugte PDF gleicht dem vom Schreibtisch. Der Termux-Build schneidet allerdings einiges weg: In seiner Paketdefinition stehen Schalter wie --disable-luajittex, --disable-mflua und --without-x. LuaJITTeX gibt es nicht, und Werkzeuge, die X11 brauchen, werden nicht gebaut.
Offen gesagt: Es ist langsam und schwer. Wie schwer, hängt vom gewählten Schema ab, doch eine vollständige Installation bedeutet, sich mit mehreren Gigabyte abzufinden, und die Kompilierzeiten haben mit denen eines Laptops nichts gemein. Für japanischen Satz kommt der Zusatzschritt hinzu, mit tlmgr die passenden Pakete und Font-Maps einzurichten. Was Termux dennoch wertvoll macht, ist eine einzige Sache: eine echte Engine, die in der Hand läuft, an einem Ort ohne Empfang. Wer einen Editor möchte, findet in den X11-Paketen von Termux texstudio und texworks. Wer dagegen bloß zügig schreiben und verlässlich kompilieren will, fährt mit dem Browser sicherer, als sich hier zu vertiefen.
iOS / iPadOS: Es gibt Satz-Apps, aber kein TeX Live
Auf iPhone und iPad gibt es schlicht keine Option namens „TeX Live installieren“. Die Plattform erlaubt keine freie Installation und Ausführung beliebiger Programme, und ein allgemeines Linux-Umfeld wie Termux unter Android existiert nicht. Stattdessen gibt es eine Handvoll App-Store-Apps, die eine eigene TeX-Engine mitbringen, und das ist der einzige Weg zum Satz auf dem Gerät. Die Tabelle nennt Preise und Aktualisierungsdaten, wie sie am 17. August 2026 im US-App-Store zu sehen waren – beides ändert sich schnell, also stets selbst nachsehen.
| App | Was auf dem Gerät läuft | Preis und letzte Aktualisierung (US-App-Store, 2026-08-17) |
|---|---|---|
Texifier | Eigene Engine TexpadTeX; setzt BibTeX, TikZ und beamer offline und weicht für fehlende Pakete auf ein vollständiges TeX Live auf den kostenlosen Cloud-Servern des Anbieters aus | 29,99 US-Dollar, aktualisiert 2026-01-23 (früher Texpad) |
VerbTeX | Offline-Satz im Local-Modus (Verbnox): pdfLaTeX, XeLaTeX, LuaLaTeX, BibTeX und Biber, dazu Dropbox- und Git-Anbindung; der Cloud-Modus nutzt die Verbosus-Server | Kostenlose Ausgabe; Pro 8,99 US-Dollar; aktualisiert 2026-08-16 |
LaTeX Editor Tex Pro | Erzeugt das PDF mit pdfTeX oder LuaTeX auf dem Gerät; unterstützt die Dateien-App und mehrere Fenster auf dem iPad | Kostenlos, aktualisiert 2026-06-01 |
TeX Writer | Wirbt mit Satz auf dem Gerät, doch die letzte Aktualisierung stammt vom 26. Oktober 2020; wird in älteren Artikeln weiterhin empfohlen | 14,99 US-Dollar, aktualisiert 2020-10-26 |
Die letzte Zeile ist der Grund, warum es diese Seite gibt. Die meisten Artikel, die eine Suche nach „LaTeX-App fürs iPad“ zutage fördert, empfehlen eine App, die seit Jahren nicht mehr aktualisiert wird. Preise, Verfügbarkeit und unterstützte Engines ändern sich; machen Sie es sich zur Gewohnheit, vor dem Kauf das Datum der letzten Aktualisierung im App-Store-Eintrag zu prüfen. Und zurück zur Zahl vom Anfang: Die Texifier-App misst 61 MB, das hiesige TeX Live 8,7 GB. Eine mitgelieferte Engine kann nur den häufig genutzten Teil tragen – das ist Arithmetik, kein Konstruktionsfehler – und genau deshalb schreibt Texifier selbst, für die seltenen Fälle, in denen ein lokal nicht unterstütztes Paket gebraucht wird, könne man auf den kostenlosen Cloud-Servern mit einem vollständigen TeX Live setzen. Unter iOS lassen sich in sich geschlossener Satz und ein vollständiges TeX Live nicht gleichzeitig haben.
Auch den Weg „Linux auf iOS betreiben“ sollte man ehrlich beschreiben. iSH, das über x86-Emulation im Benutzerraum eine Alpine-Linux-Shell bereitstellt, liegt im App Store, und im Prinzip lässt sich dort Alpines Paket texlive installieren. In der Praxis wurden fehlende Abhängigkeiten gemeldet, und der Bericht, dass die Installation von texlive-full scheitert, ist seit Dezember 2020 offen. Auch die Geschwindigkeit zahlt den Preis der Emulation. Wer auf einem iPad verlässlich schreiben will, fährt mit externer Tastatur und Browser nach wie vor am sichersten.
Gewohnheiten, die das Schreiben unterwegs tragfähig machen
Unterwegs funktioniert am besten, wer das Gerät als Werkzeug betrachtet, um das Manuskript in Bewegung zu halten. Auf dem Weg irgendwohin einen Absatz ergänzen, eine Formulierung glätten, Literaturnotizen sammeln, eine Bildunterschrift entwerfen. Den finalen Build – das schwere TikZ, die hundert Abbildungen – dem Schreibtischrechner oder der Cloud überlassen. Synchronisation ist bequem, doch dieselbe Datei gleichzeitig auf zwei Geräten offen zu haben lädt Konflikte ein; also in kleinen Schritten speichern und nach der Rückkehr einmal gründlich kompilieren.
- Mit externer Tastatur planen. Ob iPad oder Android – die Eingabe von LaTeX-Zeichen wird damit ungleich erträglicher.
- Auch bei einem Web-Editor vor der Einreichung eine lokale Kopie des gesamten Quelltexts behalten – ein ZIP oder ein synchronisierter Ordner genügt.
- Termux oder eine App mit eingebauter Engine erst an Notizen und kurzen Aufsätzen erproben. Der Abschlussarbeit vertraut man sie danach an.
Auf einen Blick, nach Plattform
| Plattform | Engine auf dem Gerät | Die praktische Abkürzung |
|---|---|---|
ChromeOS | Ja – per apt oder install-tl in das Debian der Linux-Entwicklungsumgebung | Fast wie unter Linux; der apt-Weg endet allerdings bei TeX Live 2024 |
Android | Ja – in Termux pkg install texlive-installer, dann termux-install-tl; langsam und groß | Lohnend, wo kein Empfang ist; sonst ist ein Web-Editor sicherer |
iOS / iPadOS | Nur über Apps mit eingebauter Engine; TeX Live selbst lässt sich nicht installieren | Browser und externe Tastatur – weder Overleaf noch Cloud LaTeX hat eine App |
Zusammengefasst: Wer den Satz ernsthaft auf dem Gerät haben will, fährt mit dem Chromebook deutlich am besten; Android funktioniert, sobald man Aufwand in Termux steckt; und iOS / iPadOS hängt davon ab, welche App mit eingebauter Engine man wählt. Und auf jedem Gerät lautet die Antwort im Zweifel gleich: einen Browser öffnen. Wenn der Wunsch nach einer eigenen Umgebung kommt, wartet die Seite zur Desktop-Installation.